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Leitfaden für Projekte ästhetischer Bildung


Herausgegeben vom Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, BBK
ATHENA-Verlag, Oberhausen
Erste Auflage 2011, 144 Seiten mit 142 farbigen Abbildungen, Broschur 21,0 X 29,7 cm, ISBN 978-3-89896-436-4, 14,50 Euro bzw. 26,00 SFr.
Sonderpreis für BBK-Mitglieder: 10,90 €, Bestellungen sind möglich über jeden BBK-Verband oder direkt an info@bbk-bundesverband.de bzw. BBK Bundesgeschäftsstelle, Mohrenstraße 63, 10117 Berlin

Bildende Künstlerinnen und Künstler tragen in vielfältiger und kreativer Weise zur kulturellen Bildung bei. Dabei stellen Projekte mit ästhetischer Ausrichtung, konzipiert für Kinder und Jugendliche, eine ganz besondere Herausforderung dar.
Mit der Publikation BEWEGUNG KUNST legt der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler eine auf wissenschaftlicher Basis erarbeitete Handreichung vor, welche die Planung und Umsetzung solcher Projekte fundiert und praxisorientiert erleichtern soll: Die Texte berücksichtigen die jeweils spezifischen Bedingungen schulischer und außerschulischer Projektsituationen, bieten in einem Service-Kapitel Checklisten, Musterverträge und Netzwerke an und behandeln auch Sonderaspekte wie etwa Kunstprojekte in Haftanstalten.
Ergänzt werden diese detaillierten Ausführungen von einem Anhang von fast 60 Projektbeispielen, gedacht als Anregungen für die Kolleginnen und Kollegen, aber auch für interessierte Institutionen.

Eine Online-Ausgabe der Publikation kann  hier  heruntergeladen werden.

Projekt-Datenbank www.bewegung-kunst.de
Die Projektbeispiele aus dem Buch „Bewegung Kunst“ bilden den Grundstock für eine bundesweite Datenbank, in der professionelle Künstlerinnen und Künstler gelungene Projektbeispiele selbständig einstellen können. Sie dienen zum einen als Anregung für Kolleginnen und Kollegen, zum anderen können interessierte Institutionen Künstlerinnen und Künstler für neue Projekte finden.

Das diesem Buch und dieser Projektdatenbank zugrunde liegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen KBBBK1011 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK).


East Slam Jubgle Word

Ein Projektbericht East Slam Jungle Word


von Britta Schulze
 
Da sitzt man wieder in einer der vielen Tagungen von Kulturschaffenden und versucht die Kunstprojekte von Künstlern für Jugendliche und Kinder vorzustellen und zu organisieren und ich höre, dass im Leipziger Osten die Probleme wo anders liegen: „Null Bock, Drogen und Hunger“. Schockiert über eine Welt, die mir, aus einem anderen Stadtteil kommend, so extrem sich zeigte, dass ich mir während der Tagung Gedanken dazu machte. Dann berichtete Alexander vom Jugendtreff „Rabet“: „Ihr wisst ja gar nicht, was hier los ist! Auf der Straße ist der Dschungel.“ Und das war für mich der Anfang von einer Idee, die jetzt als Projekt lebt: „East Slam Jungle Word“.

Angeregt durch die Poetry Slam Szene der Stadt kam ich auf die Idee Bildende Kunst mit Slam in Verbindung zu bringen.

Was nützt Jugendlichen, die auf der Straße sind, oder aus nicht gesicherten sozialen Bereichen kommen, hoch angebundene Kunst-oder Bildungsprojekte. Interessieren kann ich sie nur mit Ausdrucksformen, die sie kennen, in denen sie denken und sich zu Hause fühlen.
Musik muss dabei sein, die Spaß macht und Aktionen, die aus der Bewegung zum Bild und Text führen.
Das war dann meine Aufgabe und ich entwarf eine Projektbeschreibung, die das beinhaltete.

Durch Susan Vahle kam der Kontakt zur 16. Mittelschule zustande. Frau Karger, Klassenlehrerin der 8. Klasse, lud mich zur Präsentation  vor den Schülern ein. Die Schüler wollten das Projekt und ich auch, und wir verabredeten uns für dieses Schuljahr, um es durch zu führen. Auch wenn Künstler gewöhnt sind, mit wenigen Material und Honorar zu arbeiten, kam es mir nicht angemessen vor, die Schüler und Lehrer der 16. Mittelschule mit Geldforderungen zu belasten.
Wir hatten Glück.
Die Jury von „Stärken vor Ort“ fand das Konzept gut und gab uns, den Projektantragsstellern vom Bund Bildender Künstler Leipzig, die finanzielle Unterstützung.

Allerdings musste das Projekt sofort und bis Ende Dezember durchgeführt werden.
Mit Astrid Heyne und Mitarbeitern des BBKL war das machbar.
Plakate, Flyer und Button sollten die coolen Kids anlocken.
Dann ging es wieder zum Ausgangsort: dem Jugendtreff Rabet. Nicole Kayser erklärte sich bereit, mit ihrem Projekt „Cooolnet“ sich einzubringen und die Facebook-Seite und vorhandene Kontakte zu Jugendlichen aus dem freien Treff zu nutzen.

Spannend waren für mich die Workeshoptreffen der Schüler/innen der 8. Klasse der 16. Mittelschule in der Neuen Abendakademie. Bewußt wurde der Ort außerhalb der Schule gelegt, um die Kids in einen entsprechenden Raum mit Staffeleien und Platz für Aktionen zu führen (Frau Karger).
Die Anfangsperformance, wo über Bewegung eine Abdeckfolie zur Vorbereitung des Aktionpaintings zum Einsatz kam, machte uns gemeinsam zu jedem Treff viel Spaß. Geschriebene Worte die sich auf großen Blättern zu eigenständigen Bildern verwandelten überzeugten mich. Oft half die Musik, die ich auflegte. Meist war sie etwas lauter und schneller, als man von Schulprojekten gewöhnt war. Und ich war froh, als die Jugendlichen ihre Bilder vom letzten Mal sahen und mit nach Hause nehmen wollten.
Das Textschreiben war schwieriger. Nicht nur die mangelnden Kenntnisse der Rechtschreibung im Deutschen oder der entsprechenden anderen Muttersprache, sondern auch die Scheu eigene Gedanken aufzuschreiben oder sogar vorzutragen, hinderten einige Schüler.

Als dann Hauke von Grimm (Literat aus der Leipziger Szene) Unterstützung brachte und ihnen erzählte, wie eine Geschichte entsteht, die aufgeschrieben werden wollte, hatte ich Hoffnung, dass sie sich am 9. 12., zu unserer Abschlussveranstaltung, trauen auf die Bühne zu gehen.
Wie das erfolgreich ging, erfuhr ich schon am 10. 11. East Slam Jungle Word war eingebunden in einen Projekttag für Austauschschüler aus Baltimore und Schüler der 16. Mittelschule. Neun amerikanische – und drei deutsche Jugendliche malten und erzählten ihre Eindrücke über Deutschland und Amerika. Das taten sie dann auch mit vorgetragenen, eigenen Texten in der Aula der Schule zum Abschluss des Projekttages.

Die absoluten Herausforderungen waren und sind die freien Treffs im Jugendclub „Rabet“, da die Jugendlichen, nicht eingebunden in einer Klassenstruktur, nach ihrer Lust entscheiden.
Durch die Unterstützung der Mitarbeiter im Rabet und Nicole Kayser, konnte ich in dem großen Saal mit den Jugendlichen Malaktionen durchführen. Nachdem die Mädchen malten, kamen auch die Jungs und schrieben Wörter auf großen Blättern oder gestalteten mit viel Farbe ihre Bilder. Die Coolsten unter ihnen trauten sich ins Mikro zu sprechen und zeigten den anderen, was sie zu sagen hatten, in Türkisch oder Deutsch.

Ein paar Texte habe ich schon und Bilder habe ich sehr viele. Und ich lernte ein junges Talent kennen. Sie heißt Jennifer Kadiric und sie hat an zwei Nachmittagen zwei wunderbare Kurzgeschichten zu Papier gebracht. Sie will später Bücher schreiben, sagt sie.
Sie und die anderen Jugendlichen bekamen einen Button von East Slam Jungle Word.
Wer den Button in Leipzig oder Baltimore sieht, weiß jetzt, dass ihn Jugendliche haben, die ihre und unsere Idee weitertragen:

Kurzfilm: East Slam Jungle Word: http://www.youtube.com/watch?v=TyuBDXo6sPE

East Slam Jungle Word



Das Projekt führt den Gedanken des Poetry Slam in Verbindung mit Performance und Malerei weiter und findet im strukturschwachen Osten von Leipzig statt.

Da die deutsche Sprache für viele Jugendliche im Leipziger Osten nicht die Muttersprache ist, soll das Projekt eine Verbindung von verschiedenen Sprachen über Wort und Bild hervorbringen. Jugendliche bekamen die Möglichkeit, in wöchentlich stattfindenden Workshops und dem freien Treff im Jugendclub „Rabet“ zu den Begriffen Freiheit, zu Hause, Angst, und Wünsche Texte zu schreiben. Dies geschah in Form von Vierzeilern, Kurzgedichten, Geschichten und einzelnen Wortkombinationen, die sie in ihrer Weise zusammensetzten und vortrugen. Wer als Jugendlicher das Glück der zweiten Sprache besitzt, konnte seinen ausländischen Text ins Deutsche übersetzen und als zusätzlichen Vers hinzufügen.

Über Performance, Actionpainting und freier Wort- und Schriftgestaltung fanden die Jugendlichen Zugang, sich den Textformulierungen unkonventionell zu nähern.
Das gestaltete Bild transformierte sich in Bildbegriffe, aus denen ein Text entstand.

Die Bildgestaltung erfolgte malend und schreibend auf Papier. Wichtig war die Bildfindung zum Wort, oder die Wortfindung zum Bild.

Der Zusammenhang zwischen Ausdruck zum Bild und Sprachfindung war dabei wesentlich. Die unterschiedlichen Sprachfindungsprozesse durch Text und Bild beeinflussten sich und die Jugendlichen konnten ihre Ostszene-Jugendsprache im Wort und Bild entwickeln. Die fertigen Texte und Bilder werden bei dem Bühnenauftritt präsentiert. Dabei können die Wortkombinationen mit Musik als Songtext umgearbeitet werden. Der Auftretende trägt den Text auf eigene Weise vor. Wenn er seinen Bühnenauftritt hat, wird sein gestaltetes Bild mit Hilfe eines Beamers, an die Rückwand der Bühne projiziert. Das im Leipziger Osten ansässige "RadioRabet" (Kinder- und Jugendradio von cooolnet) berichtet via Livestream bei Radio blau.


 
20 Kinder im Alter von 13-16 Jahren der Achten Klasse der 16. Mittelschule Leipzig und  weitere Jugendliche des freien Treffs im Jugendclub Rabet sind bei den wöchentlich durchgeführten Workshops zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema eigener Text, eigenes Bild gekommen.
Austauschschüler aus Baltimore konnten in der 16. Mittelschule an dem Projekt teilnehmen und in der Aula der Schule eine Aufführung gestalten. Gemeinsame Performances, Kennen lernen von anderen Sprachen und Kulturen, Stärkung des Selbstvertrauens und den eigenen Gedanken über Bild und Text Ausdruck geben zu können, sind ihre Erfahrungen im Workshop.
 
Britta Schulze, Leipzig, den 07. 12. 2011
 

East Slam Jungle Word ist ein Projekt von „Bewegung Kunst in Leipzig“ des Bundes Bildender Künstler Leipzig e.V. unter der Projektleitung von Britta Schulze in Kooperation mit dem Projekt Cooolnet vertreten durch Nicole Kaiser.
Unterstützt wird es durch die Literaten und Poetry-Slammer: Hauke von Grimm, Franziska Wilhelm, Michael Schweßinger und Kurt Mondaugen.
Kontakt:
Bund Bildender Künstler Leipzig e.V.
Rosa-Luxemburg-Str. 19/21
04103 Leipzig
Tel.:0341/2247681
Fax: 0341/2682552
E-Mail: info(at)bbkl.org oder b-schulze@gmx.de
Ansprechpartnerinnen: Britta Schulze (Projektleiterin East Slam – Jungle Word) und Astrid Heyne (Projektassistenz BBKL e.V.)
Das Projekt ist finanziert durch Stärken vor Ort,
(gefördert von Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Europäischer Sozialfonds für Deutschland und Europäische Union)


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