Kategorie: Berichte des Bundesverbandes

10.05.2019

Berlin, 10./11. Mai 2019: ...das verschiebe nicht auf morgen... Was zu tun ist, damit die Kunst bleibt

Am 11. Mai 2019 trafen sich Mitglieder und Förderer des Bundesverbandes Künstlernachlässe (BKN) zur jährlichen Mitgliederversammlung in Berlin. Der BKN ist mittlerweile der kompetente Fachverband zum Thema Künstlernachlässe – gefragt von allen, die damit zu tun haben. Auch kein Bundesland kann sich diesem Thema mehr verschließen: Im Juli 2019 wird der BKN sich und seine Arbeit in der Kulturministerkonferenz vorstellen.

Als praktischer Teil ging der Versammlung am Vortag ein Besuch der Alfred-Ehrhardt-Stiftung voran. Alfred Ehrhardt war als Fotograf ein herausragender Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Seine Werke sollen vielen Menschen im In- und Ausland bekannt gemacht werden. Zum Konzept der Stiftungsausstellungen gehört, dass den Arbeiten von Alfred Ehrhardt zeitgenössische Fotografie gegenübergestellt wird. Die Stiftung ist ein Beispiel für die vorbildliche Verlebendigung eines Nachlasses und geht weit über das übliche Bewahren und Archivieren hinaus. Leider können nur wenige Erben ein Lebenswerk auf diese Weise ehren. Schon für die bloße Aufbewahrung fehlen oft sowohl die Mittel als auch die notwendigen Fachkenntnisse.
Vor der Mitgliederversammlung bestand die Möglichkeit, in Fachgruppen die Themen Digitalisierung, Beratung und Museen zu vertiefen. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen später in die gemeinsame Versammlung ein.
Zur Mitgliederversammlung wurde mitgeteilt, dass die Vereinsregistereintragung endlich – nach eineinhalb Jahren – erfolgte und die Vereinsarbeit damit erst jetzt effektiv beginnen kann. Die Teilnehmer*innen tauschten ihr Wissen aus und erörterten den Stand der Nachlasspflege in den verschiedenen Bundesländern. So wurde berichtet, dass die Universität Düsseldorf bereits Seminare zum Thema Künstlernachlässe angeboten hat. Die Vorsitzende, Gora Jain, resümierte, dass sich kein Bundesland dem Thema Nachlass entziehen kann.

Der BKN bekommt viele Anfragen von Künstler*innen, Erben und Institutionen, die sich mit dem Thema Künstlernachlass konfrontiert sehen. Deshalb wird ein Leitfaden erarbeitet, der die wichtigsten Fragen beantworten soll und einen Wegweiser zum Thema darstellt. Er wird allen Interessenten auf der Webseite des Verbandes zugänglich sein. Der Leitfaden richtet sich einerseits an die lebenden Künstler*innen und berät sie bei der vorausschauenden Ordnung ihres künstlerischen Lebenswerks. Diese kann die spätere Identifizierung von Kernwerken erleichtern und soll unvorbereitete Rettungsaktionen verhindern, die erfahrungsgemäß überstürzt und unsachgemäß erfolgen. Andererseits erhalten die Erben und Institutionen unter anderem Hinweise zur rechtlichen Situation und Kontakte zu möglichen Ansprechpartnern und zu eventuell vorhandenen Nachlassdepots. Auf lange Sicht möchte man auch eine Rechtsberatung anbieten.

Im Juli wird sich der BKN der Kulturministerkonferenz vorstellen und dort das Bewusstsein für die Problematik schärfen. Künstlernachlass-Initiativen sollen in die Kulturstrategie und -planung des Bundes, der Länder und der Kommunen einbezogen werden.

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Doris Granz