Kategorie: Berichte des Bundesverbandes

20.04.2018

Kulturpolitik im Welt(en)Wandel – Zusammenhalt und Teilhabe in einer vielfältigen Welt

Berlin, 20./21.04.2018

Die 6. Kulturpolitische Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung thematisierte die Nutzbarmachung von Kunst und Kultur für die Bewältigung des gesellschaftlichen Wandels und für die Stärkung der Demokratie.

In der Eröffnungsdiskussion behauptete Philipp Ruch (Zentrum für Politische Schönheit), Kunst und Kultur sei die fünfte Gewalt. Die Erwartungshaltung an die Protagonist*innen dieses latent unterfinanzierten Bereichs – oftmals in prekären Situationen lebend – wäre sehr hoch. Lena Krause (Allianz der Freien Künste) dürfte es mit ihrem Hinweis auf den Punkt gebracht haben, dass Kunst nicht lösen kann, was die Politik versäumt hat.

In den vielen Diskussionsrunden der zweitägigen Veranstaltung prallten dazu sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander. Einig war man sich allerdings darin, dass eine Vielfalt der Kulturen bereits existiert und es darum geht, diese Vielfalt sichtbar zu machen – sowohl inhaltlich als auch personell.

Ein Teilthema der Tagung war der offensichtlich bisher immer noch zu wenig beachtete Strukturwandel auf dem Land. Es wurde zu Recht gefragt, ob nicht auch viele kleinere Städte zu „ländlichen Regionen“ gehören. Die ländliche Region entwickle sich immer mehr zu einer kulturellen Wüste. Umso wichtiger sei es, noch existierende lokale Anker zu erhalten, bevor auch diese verschwinden. Dabei wurde hinterfragt, ob mit „urbanem Denken“ die Probleme des ländlichen Raumes gelöst werden können oder ob es hier einer eigenen Herangehensweise bedarf.

Das Programm „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“, unterstützt Kultureinrichtungen in Dörfern und Kleinstädten, damit diese weiterhin als Kultur-und Begegnungsorte genutzt werden können. Leider hat diese spezielle Bundesinitiative derzeit nur Modellcharakter und ist nicht dauerhaft angelegt, sondern stellt nur eine jeweils fünfjährige Anstoßhilfe dar.

In der Diskussionsrunde „Neue Wirklichkeit Ostdeutschland – Was wir aufheben“ wurde über den Umgang mit einer Vergangenheit gesprochen, die in einem Land wurzelt, das es heute so nicht mehr gibt. Dabei kam auch zur Sprache, dass gesellschaftliche Transformationen nicht nur von Ostdeutschen erlebt werden, sondern auch von Westdeutschen, die ihr Land der 70er Jahre nicht mehr vorfinden. Es zeigte sich, dass es immer noch sehr viel Unausgesprochenes zwischen Ost und West gibt, und dass es gilt, noch mehr miteinander zu reden und einander zuzuhören.