Kategorie: Berichte des Bundesverbandes

24.04.2018

Umfrageergebnisse zur Situation der Berliner Künstler*innen vorgestellt

Berlin, 24.04.2018

Das Institut für Strategieentwicklung (IFSE) stellte in der Stiftung Brandenburger Tor die Ergebnisse seiner Studie über die Lage der Künstler*innen in Berlin vor.
Erschreckendes Ergebnis: der Gender Pay Gap liegt in Berlin bei 28 %!

Die in Kooperation mit dem bbk berlin sowie mit Unterstützung von der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Berlin und boesner Berlin durchgeführte Befragung beleuchtet den Gender Pay Gap in der Bildenden Kunst in Berlin. Der sogenannte Gender Pay Gap bezeichnet die Lücke zwischen den Einkommen der Künstler und denen der Künstlerinnen. In Berlin liegt dieser Pay Gap nach dieser Studie bei 28 % und damit über dem allgemeinen Bundesdurchschnitt von 21 %. Die durchschnittliche Höhe der Brutto-Einkünfte aus künstlerischer Arbeit liegt bei 9.600 Euro pro Jahr. Während Männer 11.662 Euro einnehmen, beträgt der Verdienst von Frauen durchschnittlich 8.390 Euro. IFSE hat festgestellt, dass für 80 % der Umfrageteilnehmer*innen ihre künstlerische Arbeit ein Verlustgeschäft ist und insgesamt nur jede*r 10. Künstler*in das gesamte Jahreseinkommen aus künstlerischer Arbeit bezieht, 13 % der Männer und 8 % der Frauen. 90 % der Künstler*innen können später nicht von ihrer Rente leben bei einer durchschnittlichen Rentenerwartung von 357 Euro. Die Studie stützt sich auf Antworten von 1.745 Künstler*innen, 63% davon Frauen, und kann damit als repräsentativ gelten.

„Die meisten Zahlen waren zu erwarten. Allerdings hat mich alarmiert, wie niedrig die Rentenerwartung der Künstler*innen tatsächlich ist. Ebenso erschreckend sind die von Künstlerinnen geschilderten Erlebnisse im Zusammenhang mit sexualisiertem Machtmissbrauch.“, sagte der Studienautor Hergen Wöbken. Er wünscht sich ausgehend von den Studienergebnissen einen Dialog über vielfältige Ansätze zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation von Künstler*innen und fordert einen Entwicklungsplan zur Gegenwartskunst, der Ziele für zehn Jahre entwickelt, damit aber Kunst und ihre Akteure nicht festlegt, sondern Rahmenbedingungen und Perspektiven für fruchtbare Entwicklungen schafft.

Im anschließenden Publikumsgespräch wurden insbesondere die Aspekte niedriges Einkommen, Altersarmut und sexualisierte Gewalt thematisiert. Die Studie fokussiere auf die Situation der Berliner Künstlerinnen, sagte Dagmar Schmidt und gratulierte den Initiator*innen und dem Studienautor für die aufschlussreiche Publikation. „Die seit 1994 regelmäßig vom BBK Bundesverband durchgeführten Befragungen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Künstler*innen machen die Situation deutschlandweit sichtbar, mit ähnlich prekären Ergebnissen. Einige der auch heute für Berliner Künstler*innen abgeleiteten Forderungen, wie z. B. zur Altersrente, lassen sich nur auf der Bundesebene einfordern.“

Die Studienergebnisse der Umfrage zur Situation der Berliner Künstler*innen werden ab Mai 2018 auf www.bbk-berlin.de zum Download bereitstehen.