12.05.2011 / Kategorie: Allgemeine Meldung

Kulturforum der Sozialdemokratie


Kulturforum der Sozialdemokratie: „Der arme Poet – Sinnbild oder Vorbild für die Veränderung der Arbeitswelt?“In der Veranstaltungsreihe ‚Kultur in der Krise. Neue Wege?’ lud das Kulturforum der Sozialdemokratie zu einem öffentlichen Werkstattgespräch in Berlin ins Willy-Brandt-Haus ein. Nach Begrüßung und Eröffnung durch Andrea Nahles und Siegmund Ehrmann, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, beleuchteten 12 Beiträge die soziale Situation der Kreativen. Prof. Andrea Bührmann (Universität Göttingen) analysierte den Wandel der Arbeitsverhältnisse weg von der Festanstellung hin zur freiberuflichen Tätigkeit, was eine Reform des gesamten Sozialsystems erforderlich mache. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, untermauerte die schwierige Lage von Künstler(inne)n mit Zahlen. Prof. Wolfgang Schneider, Universität Hildesheim, zitierte Forderungen aus 25 Interviews mit Künstler(inne)n. Irina Wanka, Schauspielerin, informierte über die prekären Arbeitsverhältnisse darstellender Künstler(innen). Prof. Uwe Fachinger, Universität Vechta, mahnte eine ökonomische Grundausbildung und die Vorsorgebereitschaft der Künstler(innen) an. Tim Renner, Autor des Buches „Digital ist besser - Warum das Abendland auch durch das Internet nicht untergehen wird“, erläuterte die Entstehungsmechanismen des digitalen Booms und befürwortete staatliche Regulierung im Bereich des Wettbewerbs. Aus gewerkschaftlicher Sicht forderte Johannes Jakob (DGB) langfristig die Einbeziehung aller Einkommen in die Sozialversicherung, mittelfristig eine Lösung in einem Sondersystem auch für Selbständige. Lars Klingbeil, zuständig für Netzpolitik in der SPD-Bundestagsfraktion, konstatierte eine umfassende räumliche und zeitliche Entgrenzung der Arbeit durch die Digitalisierung. Volker Heller, zuständig in der Berliner Senatskanzlei für Kulturförderung, kritisierte das stete Sinken direkter Künstlerförderung zugunsten institutioneller Förderung und forderte u. a. Mittel für die Weiterbildung von sog. Freelancern.
Schließlich formulierte Angelika Krüger-Leißner, SPD-Mitglied im Kulturausschuss und Ausschuss Arbeit und Soziales, zusammenfassende Thesen: Die prekäre Lage vieler Kreativer sei trotz diverser Reformen gewachsen. Der Wandel des Arbeitsmarktes im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft habe die Entwicklung für den allgemeinen Arbeitsmarkt vorweg genommen. Die bisherigen Sozialversicherungskriterien griffen nicht mehr. Die Entwicklung einer neuen Erwerbstätigenversicherung oder Arbeitsversicherung tue Not. Langfristig bedürfe es der Einführung einer Sozialversicherung für alle Erwerbstätigen, kurzfristig seien die bestehenden Instrumente zu stabilisieren.
In der anschließenden kurzen Publikumsdiskussion wurde der soziale Druck, unter dem viele Kreative arbeiten, durch Detailberichte verdeutlicht. Für den BBK nahm Andrea Gysi an der Veranstaltung teil.