11.11.2015 / Kategorie: Allgemeine Meldung

Öffentliche Anhörung des Kulturausschusses zum Thema „Grundlagen für Gleichstellung im Kulturbetrieb“


Der Kulturausschuss des Bundestages unter Vorsitz von Siegmund Ehrmann (SPD) beschäftigte sich auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Thema der Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbereich. Zu den geladenen Sachverständigen zählten Adrienne Goehler (freie Publizistin und Kuratorin), Dr. Valeska Henze (BücherFrauen e. V.), Maria Mohr (Pro Quote Regie e. V.), Gabriele Schulz (Deutscher Kulturrat), Ursula Theißen (Frauenkulturbüro NRW) und Jutta Troost (Deutscher Städtetag). Es wurde gefragt, warum es so wenige Frauen in Führungspositionen von Theatern, Museen und Orchestern gebe, obwohl viele Bereiche von Frauen zahlenmäßig dominiert würden. Die Expertinnen zogen für alle Kultursparten das gleiche Fazit: An den Unis studieren mehr Frauen als Männer in kreativen Fächern. Je höher jedoch Gehalt, Ansehen oder Funktion einer Stelle, desto geringer der Frauenanteil. Die Leitung von Theatern und Museen würde vor allem dann an Frauen vergeben, wenn diesen das Geld ausgehe. Maria Mohr und Adrienne Goehler plädierten mit Nachdruck für Quoten bei der Vergabe von Leitungspositionen bei öffentlichen oder öffentlich geförderten Kultureinrichtungen und im Bereich der Filmförderung. Die geplante Novellierung des Filmfördergesetzes müsse genutzt werden, um weibliche Filmschaffende gezielt zu fördern, forderte Maria Mohr. Adrienne Goehler räumte ein, dass Quoten zwar unschön und „antidemokratisch“ seien, aber die Realitäten für Frauen im Kulturbetrieb eben auch. Nötig wäre aber nicht nur eine geschlechterparitätische Besetzung sondern auch ein Generationswechsel. Die ehemalige Kultursenatorin von Berlin Goehler, Maria Mohr und Ursula Theißen waren sich darin einig, dass eine Quotenregelung keine  Wettbewerbsverzerrung sei, sondern bestehende Verzerrungen allmählich beseitigen könnte.Peggy Blankenburg nahm als Gast an der Anhörung teil.