6. Bundeskongress
Kulturpolitische Gesellschaft netz.macht.kultur – Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft
Die Kulturpolitische Gesellschaft widmete ihren diesjährigen 6. Bundeskongress dem Thema Digitalisierung, das in zahlreichen Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Foren aus technischer, kunst- und medienwissenschaftlicher, urheberrechtlicher und soziologischer Perspektive beleuchtet wurde.
Staatsminister Bernd Neumann hielt den Eröffnungsvortrag, in dem er Standpunkte und Initiativen des BKM zum Thema Digitalisierung darlegte. Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, appellierte an die Institutionen des öffentlichen und gemeinnützigen Bereiches, bei der Digitalisierung ihren Rückstand im Verhältnis zum privatwirtschaftlichen Sektor aufzuholen. Auch der Medienwissenschaftler Geert Lovink vom Institut für Netzkultur an der Hochschule Amsterdam stellte diese Rückständigkeit der öffentlichen Institutionen bei der Digitalisierung fest, denen in Deutschland eine fast vollständig digitalisierte Gesellschaft – er bezeichnete sie im europäischen Vergleich als Avantgarde – gegenüberstehe. Gemeinsam gaben Kunstwissenschaftlerin Inke Arns und Rechtsanwalt Till Kreutzer einen Einblick in digitale Kunstgattungen, das Phänomen der Remix Culture und seine urheberrechtliche Problematik. Der Soziologe Gerhard Schulze analysierte in Anknüpfung an Jürgen Habermas den gegenwärtigen durch die Digitalisierung verursachten „Strukturwandel der Öffentlichkeit 2.0“ speziell für die Teilöffentlichkeit der Kunst- und Kulturwelt. Sachverständige der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ gaben Einblick in ihre Arbeit und riefen zur Nutzung der Beteiligungsmöglichkeit für die Bevölkerung im Internet (enquetebeteiligung.de/instance) auf.
Am zweiten Tag fanden insgesamt zehn Foren zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen wie z.B. Social Media, digitale kulturelle Bildung, Crowdfunding, Kulturportale und Bezahlmodelle für die Verwertung von Kultur im Internet statt. Darauf folgten zwei weitere Podiumsdiskussionen zu den Themen Digitalisierung von Bibliotheken sowie Urheberrecht und geistiges Eigentum in der digitalen Gesellschaft. In einem abschließenden Podium wurden Schlussfolgerungen aus der Tagung gezogen. Grundtenor der Tagung war, dass die Kultur einerseits aufholen und die Chancen der Digitalisierung stärker nutzen sollte, sich andererseits in den aktuellen politischen Diskurs zur Digitalisierung aktiv und kritisch einbringen und dort ihre Interessen vertreten müsse.
Für den BBK nahm Anna Fricke an der Tagung teil.


