10. Werkstattgespräch Kunst am Bau
Unter dem Titel "In die Jahre gekommen?! Zum Umgang mit Kunst am Bau" hatte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) zum 10. Werkstatt-gespräch eingeladen. Vor der eigentlichen Veranstaltung wurden die geladenen Gäste durch die Gebäude des ehemaligen Bundesministeriums für Post und Telekommunikation und den 1. Dienstsitz des BMBVS geführt. Anhand einiger exemplarischer Werke wurde die Thematik deutlich – im Laufe der Zeit haben Verschleiß und veränderte Nutzung dazu geführt, dass z. B. ein Brunnen stillgelegt und von der Decke herabhängende Kunstwerke mit Kübelpflan-zen zugestellt worden sind.
In der anschließenden Diskussionsrunde, der vier thematisch vorbereitende Vorträge voraus-gingen, wurde darüber diskutiert, welche Aufgaben aktuell zu bewältigen sind. Sowohl Nutzer als auch Eigentümer stehen vor der (finanziellen) Herausforderung, einerseits den diesbezüglich eindeutigen Forderungen des Urheberrechtes Genüge zu tun und andererseits Wirtschaftlichkeitsaspekte zu berücksichtigen. Neben der Frage konservatorischer Maßnah-men ist auch daran zu denken, dass Werke z. B. verschleißen oder im Laufe der Zeit belang-los geworden sind. Die Mehrzahl der Werke erscheint hingegen als unbedingt erhaltenswert.
Die Diskussion gewinnt dadurch an Brisanz, dass der Bund seine Gebäude der Bundes-anstalt für Liegenschaften (BIMA) übereignet hat und sich die Frage der Bewahrung, In-standhaltung oder Vernichtung von Kunst (z. B. im Falle von Gebäudeabrissen) völlig neu stellt. Die BIMA steht vor der Herausforderung, mit den Liegenschaften auch entsprechende Verpflichtungen übernommen zu haben. So verwundert es nicht, dass sich der anwesende Vertreter der BIMA, Lutz Leide, gegen die hohen Erwartungen wehrt, mit denen sich die Bundesanstalt bezüglich des Umgangs mit Werken der bildenden Kunst aus den zurück-liegenden 60 Jahren konfrontiert sieht.
Vom Bund forderten die Diskutanten einhellig Behutsamkeit beim Umgang mit Werken der Bildenden Kunst. Der Ruf nach Beratungsbedarf im Einzelfall wurde deutlich formuliert. Mit Hinweis auf den fragwürdigen Umgang mit Werken aus der Zeit der DDR erinnerte man daran, dass Reue "hinterher" meist zu spät kommt. Alle waren sich einig, dass unbedingt auch auf gesellschaftlicher Ebene zu klären sei, wie mit Werken der Kunst am Bau umge-gangen werden soll, aber auch, welche Anforderungen sich an neue Kunst am Bau aus der aktuellen Situation ergeben.
Neben Werner Schaub vom BBK, vertraten Prof. Gunnar Heydenreich (Restaurator), Susanne Titz (Museum Abteiberg), Dr. Ute Chibidziura (BBR) und Lutz Leide (BIMA) die verschiedenen Positionen. Ulla Windheuser-Schwarz (Bundesvorstand) und Manfred Kohlhaas (BBK Büro Bonn) saßen im Publikum.


